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Kann Adobe Photoshop für den Mac einstellen, um Apple unter Druck zu setzen?

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    Kann Adobe Photoshop für den Mac einstellen, um Apple unter Druck zu setzen?

    Im Kampf um Flash hört man in den Foren immer wieder, Apple solle sich nicht mit Adobe anlegen, denn womöglich könnte Adobe einfach keine Software mehr für den Mac anbieten, bis Apple klein beigibt. Wie realistisch ist dieses Szenario, und wer würde am Ende gewinnen?

    Die Antwort darauf scheint ungewiss zu sein. Wer kann schon in die Zukunft sehen? Aber tatsächlich sind hier Markt-Mechanismen am Werk, die man sehr genau abschätzen kann, sodass der Ausgang dieser Schlacht vorhersagbar ist. Nicht in den Details, aber bezüglich des großen Bildes.



    Vorab: Kein Chef einer großen Aktiengesellschaft kann 40 bis 50 Prozent seiner besten (d.h. professionellen) Kunden zum Teufel jagen, und anschließend darauf hoffen, dass er eine Gehaltserhöhung bekommt. Der CEO wird ausschließlich dafür bezahlt, ein Wachstum zu erzielen, denn für eine Schrumpfung des Kundenstamms muss man sicherlich keinen CEO mit Millionengehalt einstellen — da könnten sie auch den Pförtner zum CEO und Chef-Programmierer befördern und einfach ein Jahr abwarten.

    Ich bezweifle also, dass es ein realistisches Szenario ist. Die folgende Betrachtung impliziert also nicht, es handele sich um ein realistisches Szenario. Aber was antwortet man jenen Leuten, die es dennoch realistisch finden? Davon handelt dieser Artikel.
    ------------


    Zuerst ein kleiner Ausflug in die wunderbare Welt der Börse:

    Adobe ist ein börsennotiertes Unternehmen. Das Unternehmen befindet sich also im Besitz jener Leute, welche die Aktien gekauft haben. Der Preis aller Aktien zusammen entspricht dem Wert der Firma, also dem theoretischen Kaufpreis, falls jemand vorhätte, Adobe komplett zu kaufen.

    Der Preis der einzelnen Aktie wird an der Börse ausgehandelt und entspricht immer dem Wert, zu der die Aktie momentan verkauft wird, mal mehr, mal weniger.

    Wer eine Aktie kauft, schließt damit im Grunde eine Wette ab. Er wettet, dass die Aktie in Zukunft an Wert gewinnen wird, sodass sie sich zu einem höheren Preis wieder verkaufen lässt. Je mehr die Aktionäre davon überzeugt sind, dass die Gewinne steigen werden, desto mehr sind sie bereit, für diese Aktie über den aktuellen Kurs hinaus zu bezahlen. Dadurch wird die Aktie selbst teurer. Und das erhöht den Börsenwert der Firma.

    Wenn die Aktionäre nicht glauben, dass die Gewinne und damit der Wert der Aktie steigen wird, kaufen sie die Aktie nicht, weil es keine Aussicht gibt, sie teurer zu verkaufen. Das setzt einen erstaunlichen Mechanismus in Gang. Denn wer seine Aktie dennoch verkaufen will (etwa, um das Geld woanders anzulegen), muss sie unterhalb das aktuellen Börsenkurses verkaufen — weil er nur dann einen Käufer findet, wenn dieser glaubt, sie später mit Gewinn erneut verkaufen zu können.

    Dadurch sinkt der Börsenkurs. Denn der Börsenkurs entspricht immer dem Preis, der im Moment gehandelt wurde.

    Und weil der Börsenkurs sinkt, sind ab diesem Moment alle anderen Aktien wiederum nur unterhalb dieses Kurses verkäuflich, und der Kurs sinkt weiter. So lange, bis die Aktionäre glauben, dass es ab diesem Niveau nur noch aufwärts gehen kann. Bis also die Meinung herrscht, dass in Zukunft ein höherer Preis möglich sein wird. Auf diesem Niveau pendelt sich die Aktie dann ein.

    Man sieht: Aktiengesellschaften sind zwei Zwängen ausgesetzt. Erstens, sie müssen profitabel sein, aber das alleine reicht noch nicht. Denn zusätzlich müssen sie (zweitens) ein Wachstum haben.

    -------------



    Was würde passieren, wenn Adobe die Creative Suite für den Mac einstellt? Würden die Gewinne sinken oder fallen? Gäbe es eine sichere Chance auf Wachstum oder nicht? Denn darauf kommt es an der Börse an, und alle anderen Überlegungen sind reiner Firlefanz.

    Natürlich würden die Gewinne dramatisch einbrechen, und diese Gewinne wären für längere Zeiten futsch. Manche Kunden werden auf andere Produkte umsteigen, manche werden zum Windows-PC wechseln. Aber die meisten werden einfach für längere Zeit bei den bestehenden Installationen bleiben und die nächsten Updates nicht kaufen. Das sind genau die Umsätze, von denen Adobe lebt: die Upgrades der Profi-Kunden, die sich so teure Software leisten können.

    Und wenn die Kunden dann schließlich doch auf den Windows-PC umsteigen, generiert das zwar wieder die gewohnten Umsätze, kompensiert jedoch nicht die Ausfälle. Die Ausfälle bleiben Ausfälle.

    Wie man es dreht und wendet: Adobes Profite wären auf längere Zeit beschädigt.

    Und da der Aktienkurs eine Wette ist auf höhere Profite in der Zukunft, würde der Aktienkurs zu Boden stürzen wie eine tote Taube.
    --------------


    Daraus folgen drei Dinge:

    Erstens, die bereits vorhandenen Aktionäre würden feststellen, dass ihr Aktienpaket plötzlich dramatisch an Wert verloren hat. Das ist echtes Geld, welches plötzlich vernichtet würde. Die Aktionäre würden den Vorstand von Adobe austauschen und die Creative Suite wieder für den Mac verfügbar machen. Dazu haben sie die Macht. Den Aktionären gehört das Unternehmen. Außerdem würden sie den Vorstand verklagen, denn es gibt Gesetze, die einen Vorstand daran hindern, das Kapital der Aktionäre zu vernichten, bzw. ihn verpflichten, die Interessen der Aktionäre zu wahren. Der Vorstand kann nicht machen, was er will.

    Zweitens würden jene Top-Leute bei Adobe, die teilweise mit Aktien bezahlt werden, die Firma verlassen. Die guten Leute finden auch anderswo einen Job, und sie nehmen das Wissen von Adobe mit zur Konkurrenz. Die Firma würde ausbluten.

    Drittens würde der Börsenwert von Adobe insgesamt sinken. Man könnte also die Aktienmehrheit von Adobe billig wie nie zuvor erwerben. Es gibt genügend Firmen, die bei dieser Gelegenheit hellhörig würden, und ich denke dabei nicht nur an Apple oder Microsoft, sondern auch an Firmen, die einfach die einzelnen Produkte (Photoshop, Flash, Indesign...) einzeln weiterverkaufen und dann in der Summe dieser Verkäufe einen Gewinn erzielen. Photoshop geht an Apple, Indesign geht an Quark, Flash geht an Google, Acrobat geht an Microsoft.

    Würde Microsoft auf Acrobat verzichten, wenn man es ihnen anböte? Würde Quark abwinken, wenn Indesign zum Verkauf stünde? Diese Art von feindlichen Übernahmen sind in den USA absolut üblich. Es ist deshalb brandgefährlich, wenn ein Aktienkurs plötzlich unterhalb dessen sinkt, was die Firma eigentlich wert wäre. Wenn Adobe nicht auf den eigenen Börsenkurs achtet, werden sie schneller geschluckt, als sie "Flash" sagen können.

    Man kann daran sehen, dass ungeachtet aller technischen Fragen allein die Mechanik der Finanzwirtschaft dafür sorgt, dass Adobe gar nicht in der Lage wäre, die Mac-Kundschaft abzusägen. Es würde die Existenz von Adobe gefährden, selbst wenn sie auf den fehlenden Umsatz verzichten könnten -- die Börse kann es nicht.

    Apple hingegen hat in dem ganzen Spiel nur ein sehr geringes Risiko. Sie riskieren, dass ein paar Kunden kein iPad kaufen, weil es kein Flash anzeigt — was übrigens bei der Mehrzahl der Webseiten ein Segen ist.

    #2
    Adobe ist abhängig von Apple Kunden? So einfach?
    Bin hier zu finden: neckbreaker.de

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      #3
      Adobe ist abhängig von Kunden -- egal wer sie sind. Diese Abhängigkeit wird ihnen leider niemand abnehmen können.

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        #4
        @ applelizer: Ja, so einfach ist es tatsächlich! Jörn hat es doch gut erklärt, warum es so ist. Ist denn daran etwas unverständlich? Wenn ja, dann muss Jörn wohl seinen Artikel nachbessern.

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          #5
          Naja im Grunde meinte ich ob es nachweisbare Zahlen gibt, die belegen in welchem Verhältnis, die Adobe Kundschaft auf die beiden größten Betriebsysteme verteilt sind.
          Bin hier zu finden: neckbreaker.de

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            #6
            Also ätsch-bätsch
            könnte denn Apple Adobe schlucken? wäre das überhaupt sinnvoll?

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              #7
              Die letzte Äußerung zu den Anteilen stammt von Steve Jobs. Er sagt, etwa die Hälfte der Profi-Software von Adobe würde durch Apple-Kunden gekauft.

              Adobe selbst betont öfters, dass diese Hälfte allerdings die wichtigere Hälfte ist, weil es die Profi-Kunden sind (und nicht irgendwelche selten benutzten Installationen).

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                #8
                Adobe selbst hat mal gesagt, dass rund die Hälfte aller Kunden beim Mac sind. Und diejenigen Kunden, die Photoshop richtig professionell nutzen, die sind sogar zu über 80 % auf dem Mac. Das bedeutet, die PC-User von Photoshop die Software gar nicht so intensiv nutzen wie z.B. ein Facharbeiter der Druckvorstufe, wie ein Grafiker bei einer Werbeagentur usw., die i.d.R. alle auf dem Mac arbeiten.

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                  #9
                  Obwohl die Ausführungen sehr interessant sind, sind sie eine sehr einseitige Betrachtung und vergessen einen wichtigen Punkt.

                  Eine Aktie ist keine Wette. Für Wetten dieser Art gibt es wesentlich effektivere Werkzeuge. Wer eine Aktie kauft möchte einen Teil dieses Unternehmens besitzen. Entweder, um am Wachstum der Firma zu profitieren (über den Kurs oder eine Dividende), aus religiösen Gründen (Beispiel AAPL) oder weil er eine Kapitalsicherung vornehmen will (einfaches Szenario: nach einer Hyperinflation kostet eine CS4 halt 40.000 Euro. Mangels Alternativen kann Adobe die Preise anheben, wie sie wollen. Somit hat der Aktionär eine Kapitalsicherung vorgenommen).

                  Der wichtigste Punkt ist: Adobe hat einen Börsenwert von rund 18 Milliarden Dollar. Apple hat 40 Milliarden CASH. Wenn Apple will kaufen die Adobe. Das erklärt auch, warum die Angriffe von Apple so milde kommentiert werden...

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                    #10
                    Wenn Adobe 18 Milliarden Dollar wert ist, und wenn jemand den Aktionären ihre Aktien für 20 Milliarden Dollar abkauft, dann hat niemand etwas dagegen -- vermutlich nicht mal Adobe selbst.

                    Aber wenn jemand den Laden für 9 Milliarden Dollar kauft, weil die Aktien gefallen sind, obwohl die Aktionäre für die Aktien ursprünglich viel mehr bezahlt hatten, dann entsteht ein großer Verlust.

                    Die Gefahr für Adobe besteht also nicht darin, dass Apple genügend Geld hat, um Adobe zu kaufen, sondern dass der Kauf weit unter Wert geschieht.

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                      #11
                      Was wäre, wenn Adobe Photoshop für den Mac einstampft und dann Photoshop für Ubuntu rausbringt?
                      Wäre das nicht etwas, was Apple unter Druck setzen könnte? Denn so müssten sich die Mac-Kunden vorerst nicht mal neue Hardware kaufen, und beim nächsten Rechnerkauf gibt es halt dann einen Dell.
                      Angel of Grief

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                        #12
                        Du weisst aber schon was Bootcamp ist?

                        Gruß,
                        Sönke

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                          #13
                          Ja, aber nicht jeder hat eine Lizenz für Windows rumliegen. Würde also erst mal extra kosten.
                          Angel of Grief

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                            #14
                            Zitat von Freddy K. Beitrag anzeigen
                            Ja, aber nicht jeder hat eine Lizenz für Windows rumliegen. Würde also erst mal extra kosten.
                            Wer die Creative Suite kaufen kann, hat auch die 80,-- für ein Windows. Die Zeit, die in einer Firma durch Ubuntu "verbraten" wird, ist ungleich teurer, als die Kosten für eine Winows-Lizenz, mit der jeder zumindest klar kommt.

                            Gruß,
                            Sönke

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                              #15
                              Tja, aber selbst wenn es 50 % der Kunden auf dem Mac sind, würde ein großer Teil zu Windows wechseln, weil es für viele einfach keine Alternative zu Photoshop gibt. Ich glaube hier wird die Plattform etwas überschätzt. Klar, wenn man es sich aussuchen kann, geht man auf den Mac, aber wenn man Photoshop nur auf dem PC bekommt und man damit sein Geld verdient, dann wechselt man eben zu Windows.

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