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20 Jahre Mauerfall: für mich ein toller Tag

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    20 Jahre Mauerfall: für mich ein toller Tag

    Ich werde nie vergessen, wie sich ab 1989 das Volk der DDR von den Fesseln der Diktatur befreit hat, und vermutlich war es eines meiner großartigsten Erlebnisse überhaupt.

    1989 hatte ich gerade mein Abitur bestanden. Und ich hatte etwas Wartezeit, bis das Leben weiterging (Ausbildung, Bundeswehr, Zivildienst -- diese Dinge). Deswegen konnte ich die spannenden Tage im Herbst '89 praktisch nonstop am Fernseher verbringen.

    Ich kenne niemanden, der von diesen Bildern damals nicht vollständig ergriffen war. Da geschah etwas, was niemand in Westdeutschland innerhalb seiner Lebenszeit für möglich gehalten hätte. Der Eiserne Vorhang galt als undurchdringlich, und speziell die DDR galt als wirtschaftlich und politisch stabil, anders als die UdSSR oder etwa Polen.

    Wir sahen Bilder von riesigen Demonstrationen. Völlig unvergleichlich zu den Demonstrationen aus Westdeutschland. Das Volk war auf der Straße! Am Schluss waren 70.000 Menschen in Leipzig beteiligt. Alle Wege und Plätze, alle Brücken und Balkone quollen über vor Menschen.

    Und man hörte die Rufe: "Schließt Euch an! Schließt Euch an!" Und von den seitlichen Gassen strömten immer mehr Leute hinzu. Ein paar Häuserblocks weiter warteten tausende von Polizisten, und beinahe beschwörerisch rief die Menge immer wieder: "Keine Gewalt! Keine Gewalt!"

    Denn man wusste nur zu gut, dass in den kommunistischen Ländern solche Aufstände mit Waffengewalt niedergeschlagen wurden. Jeder kannte dieses Risiko. Die Leute hatten Angst, aber im Schutz der Menge wagten die Bürger, die Diktatur herauszufordern.

    Damals konnte man wegen der Teilnahme an einer Demonstration im Knast verschwinden. Studenten liefen Gefahr, dass ihnen ein akademischer Beruf verwehrt wurde, sodass Akademiker ihr Leben lang auf dem Bau arbeiten mussten, nur weil sie sich mal kritisch geäußert hatten. Das alles wussten die Menschen der DDR nur allzu gut.

    Und deswegen waren diese Demonstrationen etwas ganz Unerhörtes. Die ganze Welt bewunderte den Mut dieser Menschen und wünschte ihnen Erfolg.

    Und dann fiel die Mauer. Das Fernsehen war live dabei. Menschen lagen sich in den Armen. Jeder lachte oder weinte, oder beides gleichzeitig. Große Autokolonnen wälzten sich in den Westen, einfach um die lang vermisste Freiheit einmal auszuprobieren. Ganz Deutschland befand sich in einem Taumel der Begeisterung, nicht etwa wegen irgendeinem nationalistischen Quatsch, sondern einfach aus Freude darüber, dass getrennte Familien wieder zusammenfanden, dass der Kerker aufgebrochen war, und dass die Schweinehunde der DDR-Regierung ausgespielt hatten.

    ----------


    Wenige Jahre zuvor war ich mit meiner Schulklasse in Berlin und in der DDR. Ich werde das niemals vergessen.

    Ich weiß noch, wie sich unser Bus durch eine militärisch gesicherte Grenze schob. Nicht zu vergleichen mit einer heutigen Grenze. Sondern unser Bus musste zuerst vor einem riesigen Rolltor warten. An den Seiten standen Polizisten mit Maschinengewehren, und diese Leute waren hellwach. Die Waffen waren fest in ihren Händen, nicht etwa in einem Halfter oder an einem Gürtel. Sie waren bereit, zu schießen. Und wir waren nur ein Bus mit zwei Schulklassen.

    Dann passierten wir das Tor und kamen in einen breiten Streifen aus Beton. Man nannte ihn "den Todesstreifen". Er erstreckte sich kilometerweit nach links und rechts, und man hätte eine Maus erschießen können, wenn sie es gewagt hätte, den Streifen zu überqueren. In regelmäßigen Abständen gab es Beobachtungstürme, einer neben dem anderen, und wir sahen, wie man uns von dort mit großen Ferngläsern beobachtete.

    Dann kam die eigentliche Grenze. Ein Beamter stieg in den Bus und kontrollierte alle unsere Pässe. Noch nie ist mein Pass so akribisch angesehen worden. Mehrmals wurde meine Ähnlichkeit mit dem Foto geprüft, vor und zurückgeblättert. Zuvor war uns von unserem Lehrer eingeschärft worden, keine dummen Witze zu machen. Im Bus war es mucksmäuschenstill. Zwischen den Sitzreihen gingen zwei bewaffnete Soldaten auf und ab. Und wir waren nur Schüler. Uns allen war die Panik ins Gesicht geschrieben. Niemals werde ich diese Minuten vergessen.

    Währenddessen wurde der ganze restliche Bus untersucht. Kofferräume, Unterboden, sogar der Motor.

    Schließlich durften wir die Grenze passieren. Man hätte denken können, dass wir nun alle aufatmen und wieder fröhlich werden würden. Aber uns war das Lachen vergangen. Das war kein komisches Schauspiel. Das war echt. Und es war nicht lustig.

    --------------


    Wann immer ich die Diskussionen höre über die deutsche Einheit oder die damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme, denke ich mir, wie unwichtig das alles ist verglichen mit dem großen Geschenk, dieses verbrecherische Regime überwunden zu haben. Und die Art, wie die Menschen der DDR das schließlich erreicht haben, nämlich durch friedliche Demonstrationen, ist sehr respektabel und schön.

    Ich habe die Mauer gesehen. Ich habe gesehen, wie das Brandenburger Tor inmitten eines Todesstreifens stand -- ein bedrückender, beängstigender, deprimierender Anblick. Stacheldraht. Eisentore. Beobachtungstürme. Maschinengewehre. Ich habe gesehen, wie die Mauer mitten durch eine Häuserreihe ging, und die Gewalttätigkeit dieses Bildes ist mir unvergesslich.

    Ich habe die Kreuze gesehen, die in Westberlin aufgestellt wurden für jene Menschen, die von den Grenzsoldaten in den Rücken geschossen wurden, als sie die Grenze überqueren wollten.

    Ich weiß noch, wie ich an der Berliner Mauer stand und so entsetzt darüber war, dass ich nicht mehr sprechen konnte, so furchtbar war es.

    Heute berausche ich mich an den Bildern von Fall der Mauer, die den ganzen Tag im Fernsehen gezeigt werden. (In Phoenix nonstop bis 24 Uhr, auch als Internet-Stream zu empfangen.) Ich kenne diese Bilder alle auswendig, habe jede Dokumentation schon x-mal gesehen. Egal. Für mich immer noch ein Tag zum Feiern. Ich finde es großartig, dass ich den Fall der Mauer miterlebt habe, und dass die deutschen Familien sich wieder besuchen können.
    Zuletzt geändert von Jörn; 09.11.2009, 15:09.

    #2
    Das tolle ist, das T-Mobile Kunden heute kostenlose SMS-Nachrichten verschicken können! Juhu . Das finde ich genial!

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      #3
      Allein dafür hat es sich gelohnt!

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        #4
        Ich hab es miterlebt auch die Zeit die dannach kam. Ich war zwar erst 9 Jahre alt aber da bekommt man schon eingies mit. Noch am Schwarz / Weiß Fernseher. Das war schon toll. Für mich als Kind im tiefsten Osten

        Ich hatte mich gewundert wo meiner Eltern noch eine Silvester Rakete her hatte. Aber irgendwo hatten sie noch welch zu liegen und dann ging es erstemal raus und es wurde gefeiert. Da wurde aus dem Keller noch einen Flasche geholt und los ging es.

        Hätte man Telefon gehabt, hätten mans ich austauschen können, doch so trafen wir uns bei den Nachbarn.

        Die Bilder haben wir alle gesehen und jetzt da ich in Berlin Wohne und direkt am Todesstreifen, zwischen Neukölln und Treptow an der Sonnenallee, ist mir das alles Present. Sie Bauen gerade ne Bühne auf direkt an dem ehemaligen Verlauf der Mauer. Der Todesstreifen ist jetzt Renaturiert. Doch wie man es dreht und Wendet, es wird immer Sichtbar sein an der Stelle was hier stand. Das sieht man an den Abgeschnittenen Häusern. An einer Freien Fläche mitten in der Stadt usw.

        Sollte man auf keinen Fall vergessen. Leider hat die Politik immer die eigenschaft bestimmten Dinge aus ihrem Gedächtnis zu streichen. Ich finde es grausam, dass du heute einem Schüler nicht mal mehr Fragen kannst, was war die DDR und wer hat sie geprägt Poltiisch. Das liegt daran, weil es in der Schule kein Thema mehr ist.

        Ich finde es jetzt so geheuchelt von er Politik das sie nun 20 Jahre später so einen aufriss machen.
        Genug Apple Zeugs über viele Jahre

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          #5
          Ich muss gestehen, daß ich damals geheult habe vor Freude. Und als wir mit der Schule ein Jahr später nach Weimar fuhren, konnte man förmlich die Freiheit riechen, die nun triumphierend ihren Platz einnahm. Selbst die verbliebenden russischen Soldaten schienen ausgelassen und heiter.
          Was mich ein wenig irritierte war, daß unsere Schule sämtliche Geschichtsbücher, die sich mit der DDR befassten, aussortierte, so als es ob es niemals diesen Staat gegeben hätte.
          Eine friedliche und gewaltfreie Revolution gegen Unfreiheit und Unrecht selbst miterlebt zu haben, war und ist etwas Besonderes.

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            #6
            Ja das kann ich bestätigen. Man hat damals auch ganz schnell Versuch alle Spuren der DDR Platte zu machen. Viel zu schnell um eherlich zu sein. Konnte ich als Kind nicht verstehen und als Erwachsener bis heute immer noch nicht. Es wäre eine Mahung gewesen, die Worte "Nie wieder" hätten dann Bedeutung gehabt. Doch so...

            Gerade in der Schulzeit war das ein heftiger Umbruch gewesen. Gar nicht mal schön um es so zu sagen.
            Genug Apple Zeugs über viele Jahre

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              #7
              Sicherlich war der Grund, neue, aktualisierte Bücher zu schreiben. Sicher war ein Grund auch die Euphorie, die meinem damaligen Eindruck nach jeden befiel. Aber es war schon irre, dass man bewusst miterlebte, wie im wahrsten Sinn des Wortes "Geschichte neu geschrieben" wurde/musste. Da ich dann mein Abi machte, konnte ich nicht mehr nachvollziehen, wie die neuen Bücher geschrieben wurde.

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                #8
                ich weis nur wie oft es neue Bücher gab Das war schon zuviel, Schulen wurden zusammengelegt. Klassen zerrrissen usw. Der Teil des dannach, daran mich zu erinnern ist gar nicht so schön.

                Klar was es nett aber dieses ganze hin und her für einen knirps wie mich damals, war nicht toll. Hätte man für die Schüler einerfacher machen können. Doch die Lehrer hatten auch keine Wahl. Alles wurde immer wieder neu gemacht und man dachte es gäbe nur Pläne in der DDR, nö die gab es im Westen auch
                Genug Apple Zeugs über viele Jahre

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                  #9
                  Wow Jörn, ergreifende Geschichte!

                  Ich war zum Mauerfall vielleicht ein Monat alt. Bin also ein Kind der Wende^^ Hab von all dem nichts mitbekommen. Dennoch habe ich mich jetzt die letzten Tage von den von dir genannten Dokus berieseln lassen und natürlich ist mir die Thematik auch durch den Geschichts-Unterricht der Schule nicht unbekannt.

                  Ich habe eine sehr schöne Doku im ZDF gesehen, über Fluchtversuche in die Freiheit. Ich glaube, für jemanden, der nach dieser Zeit groß geworden ist, ist es einfach unvorstellbar, wie die Bedingungen und das Leben in der DDR damals gewesen sein müssen. Wie brutal das Volk gegen ihren Willen quasi eingesperrt wurde. In der Doku wurden chronologisch auch die ganzen Ausbaustufen der Mauer gezeigt. Ist schon krass, was für ein Hochsicherheitstrakt das am Ende dann war. Da kam ja echt nichts mehr durch... Oh man... da kann man sich echt nur an den Kopf fassen, wie krank die Menschheit (bzw. einige Menschen) doch sein können!
                  MacBook Pro 13" 2017 | iPhone 12 Pro 128 GB | iPad Pro 12,9" 2020 256 GB | Apple Watch Series 4

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                    #10
                    Ich bin ein Kind der DDR und war zur Wende knapp 12 Jahre alt. Mein Mutter weckte mich nachts und erzählte mir, die Grenze sei offen? Wenige Tage später waren wir in Westberlin und die Gerüche und Farben in den Geschäften waren überwältigend. Seit 2000 wohne ich im Westen und ein Drittel der Kollegen sind Ostdeutsche

                    Ein Bekannter hatte etwa 1988 einen C64 für Tausende Ostmark besorgt und einmal war er damit bei uns und ich durfte mal ein paar Stunden daddeln. Da war ich 10 und ich weiß es noch heute

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                      #11
                      Ich hab es auch miterlebt. Immerhin bin ich Ostberliner und habe mich aber erst ein paar Tage später "rausgetraut" um mal nach Westberlin zu reisen. Ich wohnte damals in Marzahn, das ist am östlichen Rand von Berlin.

                      Als ich dann das erst emal nach Westberlin gegangen bin war ich überwältigt.
                      Boah! Das war für mich ein irres Paradoxes Gefühl. Ein fremdes Land im eigenen Land So hab ich es empfunden. Die Lampen von den Autos leuchteten viel heller als unsere und alles war so bunt auf den Strassen, nicht wie bei uns grau in grau. Es ist wie als wenn du dein Leben lang in einem Haus wohnst und plötzlich stellst du fest, hinter dem großen Kleiderschrank befindet sich eine Tür So kann man das Gefühl ungefähr beschreiben das ich hatte.

                      Ich hatte bis dahin noch nie in meinem Leben eine "kreisförmige" Pizza gesehen geschweige denn gewusst das diese auch "rund" sein können Bei uns gab es mein ganzes Leben lang halt quadratische Pizza von BAKO (VEB Backwarenkombinat Berlin).

                      In der Schule haben wir in Biologie gelernt, dass eine Banane keine Nährstoffe oder Vitamine hat. Halt nur Ballaststoff. Wir wurden ganz schön mit falschen Infos gefüttert muss ich sagen, aber das wusste ja keiner von uns.

                      Das wichtigste Gut war für uns die Freiheit. Die Freiheit zu reisen, wohin wir wollen.
                      Niemand von den "Wessis" weiß wie das ist, was das für ein Gefühl ist, wenn man raus will und nicht kann!

                      Ungleich manch anderen, bereue ich den Mauerfall auch 20 Jahre danach nicht.
                      Aber einige Sachen verstehe ich immer noch nicht. Wieso wurden Denkmäler oder bestimmte Gebäude einfach abgerissen? Man hätte diese doch als Mahnmale stehen lassen können.

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                        #12
                        Heute vor 20 Jahren war ich in (West-)Berlin. Ich habe brav in meiner Wiege geschlafen (6 Monate alt).
                        Mein Vater allerdings kam heulend nach Hause als er das meiner Mutter erzählt hat...

                        Meine alte Schule verwendet in der Oberstufe Geschichtsbücher aus dem Jahre 1988 (das muss man sich mal vorstellen!), dort heißt es u.a. "eine deutsche Wiedervereinigung ist ferner denn je"...

                        Wenn man mal in den Osten fährt, sie man aber noch oft an den Landesgrenzen alte DDR-Wachtürme.


                        Ich halte gerade mein Stückchen Original Mauer in der Hand.
                        "Meine Defintion von Glück? Keine Termine und leicht einen sitzen."
                        Harald Juhnke

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                          #13
                          Ich kann dir nur Zustimmen Jörn. Ich hab das zwar nicht richtig mitbekommen, da ich 1989 erst in die Schule kam aber jedesmal wenn ich die Bilder sehe könnte ich heulen. Ausserdem macht es mit angst wenn ich mir vorstelle wie das leben vor 1989 gewesen sein muss.

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                            #14
                            Ich war vor einem Jahr im (Atom) Regierungsbunker der alten BRD in Ahrweiler.
                            DAS machte mir Angst!!

                            http://www.ausweichsitz.de/index.php

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                              #15
                              Zitat von nareharo Beitrag anzeigen
                              Aber einige Sachen verstehe ich immer noch nicht. Wieso wurden Denkmäler oder bestimmte Gebäude einfach abgerissen? Man hätte diese doch als Mahnmale stehen lassen können.

                              Das kann ich dir Sagen! Die Denkmäler bei uns in der damaligen DDR zeigten vermehrt Abbilder von Diktatoren und Verbrechern gegen die Menschlichkeit, wie Stalin oder Lenin. Das wäre wie Denkmäler von Hitler irgendwo stehen lassen. Ich weis normalerweise macht man solche vergleiche nicht. Aber sowohl Lenin als auch Stalin haben menschen massenweise umbringen lassen.

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