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To Do: iMessage

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  • To Do: iMessage

    Es gibt vermutlich wenige Dinge, die langweiliger sind, als einen kurzen Text von A nach B zu transportieren. (Und umso größer ist das Talent eines Autors, der daraus einen interessanten Artikel zu stricken weiß.)

    Diese sachliche Langeweile ist jedoch ein fataler Irrtum. Wir gehen einfach intuitiv davon aus (vermutlich aufgrund unserer Abstammung von Affen), dass die Art der Zustellung von sekundärer Bedeutung sei.



    Nehmen wir den Versand eines neuen MacBooks als anschauliches Beispiel. Noch niemand hat sein neues MacBook freudig aus dem Karton geschält und dann gerufen: »Ein fantastisches Gerät! Nur leider ist es mir von UPS zugestellt worden.«

    Stattdessen bewerten wir nur das Ergebnis, nämlich das unbeschadete Eintreffen der Schachtel. Doch diese allzu simple, rein materialistische Betrachtungsweise wird nicht von allen Zeitgenossen geteilt.



    Für viele Menschen sind Absender und Versandmethode ebenso wichtig wie der Inhalt. Beispielsweise finden die Worte »Willst Du mich heiraten?« erst dann ihre volle Dramatik, wenn man den Absender kennt. Auch die Methode der Zustellung trägt zur Glaubwürdigkeit einer Botschaft bei: Denken wir an die Steintafeln von Moses (die übrigens ohne Umschlag und zudem unfrankiert versandt wurden).



    Damit sind wir beim Kern des Themas angelangt. Messenger-Dienste grenzen längst ans Religiöse und Übersinnliche. Entscheidend ist nicht mehr, was geschrieben wurde, sondern von wem, und mit welcher App.

    Das hat Konsequenzen. Man kann einem glühenden Anhänger von WhatsApp den Tag versauen, wenn man ihn unter einem Vorwand dazu verleitet, diesen Satz zu lesen: »iMessage ist eigentlich gar nicht schlecht«.

    Man ist entweder dafür oder komplett dagegen.

    Früher war man evangelisch oder katholisch. Heute ist es iMessage oder WhatsApp. Man mag einwenden, dass es diesem Vergleich an der nötigen Präzision und Ernsthaftigkeit mangele. Gerne gebe ich eine gewisse Plumpheit zu. Aber die Menge an unsinnigen Texten blieb ungefähr gleich.

    Das gilt nicht für alle! Selbstverständlich gibt es auch die Erleuchteten. Sie stehen gelassen über diesem peinlichen Kleinkrieg.



    Denn sie benutzen Telegram. Es dürfte nämlich selbst der dümmste Lemming langsam kapiert haben, dass WhatsApp und iMessage von einer großen Verschwörung kontrolliert werden, die natürlich geheim ist, und die daher nur den 765 Millionen allerwichtigsten Telegram-Nutzern bekannt gemacht wurde. Auf deren Verschwiegenheit ist glücklicherweise Verlass.

    Verschwiegenheit ist ohnehin eine unterschätzte Tugend. Meine Leser werden nach 468 Worten ohne konkreten Inhalt sicherlich zustimmen.

    Aber manchmal möchte man gerne etwas sagen. Nur später.

    Auf den einschlägigen Mac-Blogs wird deswegen regelmäßig angeregt, iMessage solle eine Funktion bekommen, Nachrichten als »nicht gelesen« zu markieren. So kennt man es von Mails. Oder von WhatsApp. WhatsApp ist eigentlich gar nicht schlecht.

    Ich würde diesen Vorschlag gerne aufgreifen und etwas hinzufügen. iMessage kommt bei mir meist zusammen mit anderen Apps oder Tätigkeiten zum Einsatz. Selten dient es dem Selbstzweck des Zeitvertreibs. Sondern es ist ein Werkzeug zur Organisation. Man fragt nach Terminen, holt sich ein kurzes Feedback oder gibt eine Information. Mein Vorschlag wäre, iMessage in diese Tätigkeiten besser zu integrieren.
    • Markierung als ungelesen: Das wäre nützlich. Ist aber etwas grob.
    • Markierung als „To Do“: Das fände ich noch besser. Innerhalb einer Konversation kann eine einzelne Nachricht hängen, die etwas enthält, um das man sich später kümmern sollte. Anstatt nun den ganzen Thread als ungelesen zu markieren, kennzeichnet man nur diese Nachricht. Man findet sie dann in einem speziellen Postfach. Tippt man drauf, sieht man diese Nachricht im Fluss der anderen Nachrichten, weil dort vielleicht noch weitere Details zu finden sind.
    • Markieren mit Tags: Optional kann man einem To-Do noch ein Schlagwort hinzufügen, etwa »Projekt Müller« oder »Fußball«. Das Postfach mit allen To-Do’s enthielte dann diese Rubriken. Dann steht alles beieinander, was zum »Projekt Müller« gehört.
    • iMessage als System-Service: Wir kennen iMessage nur als »App«. Aber diese App ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Nachrichten sichtbar zu machen. Was wäre, wenn man einen Thread mit der Maus aus iMessage per Drag & Drop in eine andere App ziehen würde? Dann könnte dieser Thread dort als Seitenleiste auftauchen. Ähnliche Funktionen gibt es schon in MS Office, aber es ist natürlich nicht mit iMessage vergleichbar. Außerdem ist es dort für Leute gedacht, die auch Zugriff auf das Dokument haben, aber das will man vielleicht nicht immer.
    • Auf diese Weise könnte man endlich bei FaceTime-Calls auch iMessage integrieren (einfach den Thread ins Fenster ziehen), denn bei solchen Videokonferenzen gibt es oft noch einen Bedarf, kurze Texte auszutauschen, einen Link zu senden oder eine Datei zu übertragen.

    Diese Ideen sind so gut, dass ich Tim Cook persönlich eine Nachricht geschickt habe.

    Und zwar per WhatsApp.
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